LAP Coffee in der Krise: Flughafen statt Szenekiez

Offenbar macht LAP gerade statt Gewinne ordentlich Verluste. Statt weiter in Szenekiezen zu expandieren, will LAP deshalb zukünftig vermehrt Filialen an Flughäfen und Bahnhöfen eröffnen. Social-Media-Auftritte von LAP wirken zunehmend verzweifelt. Auch Investoren scheinen skeptisch zu sein: Die LAP-Gründer suchen anscheinend dringend frisches Geld.

Das Geschäftsmodell von LAP war immer ein Versprechen auf eine ungewisse Zukunft. Im Wesentlichen besteht es darin, aggressiv Daten von Nutzer*innen zu sammeln und auszuwerten (sie nennen es „Community Building“), um in Zukunft weitere Geschäftsfelder jenseits der LAP-Filialen zu erschließen und diese Kontakte in mehr Umsatz und Profit umzusetzen. Filialen wurden entsprechend in angesagten Bezirken eröffnet und dort sogenannte “Events” durchgeführt. Nun scheint auch LAP einzusehen, dass das bisherige Geschäftsmodell gescheitert ist. 

Stefanie Schneider von der Kampagne LAP Coffee Piss Off:

Der Ruf von LAP Coffee ist mittlerweile ruiniert. Zu durchsichtig war der Versuch von LAP, sich als angebliche „Subkultur mit lokaler Verwurzelung“ zu inszenieren. Das äußerst aggressive Vorgehen gegen Kritik, u.a. jüngst in Berlin durch SLAPP-Methoden gegen kleine alternative Läden, hat dem Image von LAP nochmals enorm geschadet. Für LAP, das sein ganzes zukünftiges Geschäftsmodell vor allem auf ein gutes Image ausgerichtet hat, könnte ein solcher Imageverlust leicht das Scheitern bedeuten.

Der Niedergang des LAP-Images und das Scheitern der „Community Building“ Strategie lässt sich auf Social Media verfolgen, dem wichtigsten  und eigentlich einzigen Kommunikations- und Werbemedium von LAP. 

Beispiel TikTok: Hatten hier die LAP-Auftritte in der ersten Jahreshälfte letzten Jahres in der Regel noch mehrere zehntausend Aufrufe, sind es mittlerweile nur noch Bruchteile davon. LAP reagiert mit einer Strategie, die zunehmend verzweifelt und unprofessionell erscheint: In immer kürzerer Frequenz werden nichtssagende Clips veröffentlicht, auf die es kaum Resonanz gibt. 

Beispiel Instagram: Seit Ende letzten Jahres wird bei fast allen Beiträgen von LAP die Zahl der Likes nicht mehr öffentlich angezeigt. Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass es auch hier nicht gut läuft. Schließlich sind viele sichtbare Likes das öffentliche Aushängeschild jeder erfolgreichen Instagram-Kampange.

Stefanie Schneider:

Auch im analogen Leben läuft es nicht gut für LAP. Manche Filialen gehen etwas besser, in andere verirren sich nur noch selten Kund*innen. Wir haben es mal durchgerechnet: Selbst wenn LAP es schafft, in allen Filialen durchschnittlich alle zwei Minuten ein Getränk für 3 € zu verkaufen, macht LAP statt Gewinne jährliche Verluste in Millionenhöhe. Und selbst von diesen Umsätzen scheint LAP gerade weit entfernt zu sein. Viele Menschen erzählen uns, dass sie nie zu LAP gehen würden. Andere sagen, dass sie nicht mehr zu LAP gehen, seitdem sie wissen, was das für eine blöde Café-Kette ist.”

LAP zieht Konsequenzen. Neue LAP-Standorte sollen in Zukunft in erster Linie auf massenhafte anonyme Laufkundschaft setzen, etwa an Bahnhöfen und Flughäfen, und weniger auf coole Locations in „angesagten“ Bezirken großer Städte. Dies bedeutet natürlich auch die Abkehr vom bisherigen „Community Building“-Konzept als Grundlage für die weitere Expansion über LAP-Filialen hinaus.

Da auch startup-konzentrierte Investor*innen mittlerweile wohl nicht mehr an einen Erfolg von LAP glauben, versucht LAP laut CEO Hage nun anscheinend dringend neues Geld bei klassischen Banken zu erhalten – bislang wohl erfolglos.

Stefanie Schneider: “Bei jetzt schon deutlich mehr als 6 Millionen Euro laufenden Fixkosten pro Jahr für Miete, Personal und Einrichtung, stagnierenden oder abnehmenden Besucher*innenzahlen und zurückhaltenden Banken und Investoren scheint eine zeitnahe Pleite von LAP immer wahrscheinlicher zu werden.”

Ende letzten Jahres hat LAP Coffee bekanntermaßen durch eine sogenannte SLAPP-Klage (Unterlassungsforderung mit fiktiv erhöhtem Streitwert) vier kleine Berliner Läden dazu gezwungen, zu unterschreiben, dass sie zukünftig kein LAP-kritisches Material mehr auslegen werden. 

Stefanie Schneider:

Die Kampagne „LAP Coffee Piss Off!“ hat auf das Vorgehen von LAP reagiert: Neues und aktualisiertes Material zu LAP Coffee (Flyer, Aufkleber, Plakate), das auch das SLAPP-Vorgehen von LAP gegen Kritik thematisiert, liegt nun wieder an vielen Orten in der Stadt zum Abholen bereit. Der Protest gegen LAP wird auch weiterhin unübersehbar sein.”

Auch die direkten Proteste an den LAP-Filialen gehen offenbar weiter. U.a. wurde laut Indymedia Anfang Januar die Filiale am Senefelder Platz neu dekoriert. Uns erreichte auch ein Bild der Filiale in der Raumerstraße, ebenfalls Prenzlauer Berg, mit zerbrochener Schaufensterscheibe.

Jetzt bei LAP investieren in der Hoffnung auf fette Profite? Vielleicht keine so gute Idee… hier unsere Handreichung für Investor*innen: Die aktuelle finanzielle Situation von LAP Coffee.

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Aus einem aktuellen langen Interview von LAP-CEO Hage mit dem Startup-Portal ORM (https://omr.com/de/daily/lap-coffee-ralph-hage):

LAP und die Daten der Kund*innen

Auf die Frage, was denn LAP für Investoren interessant machen könnte, hat Hage vor allem eine Antwort: Es sind die Daten der Kund*innen („know your customer“, 52:00).

Hage: Für jede Person die über die App den Kauf abwickelt, wird detailliert analysiert, wie oft, wann und wo sie eine LAP Filiale besucht, was sie konsumiert, wie viel Umsatz und wie viel Netto Profit mit dieser Person pro Jahr erwirtschaftet wird („frequenzy, orders, revenue per person, net profit per year and how we can basically increase that“ 56:00). Hierfür ist erforderlich dass möglichst viele Menschen die App nutzen und LAP diese Daten zur Verfügung stellen, laut LAP sind das derzeit 55 % der Kund*innnen (42:00), diese Zahl soll gezielt gesteigert werden (57:00).

Die Kund*innen werden in Gruppen eingeteilt, für die jeweils versucht wird, die Umsätze weiter zu steigern und die Profite zu erhöhen („possibiliy of expanding the revenue channels we have today“). Diese Daten sollen auch die profitable Einführung neuer LAP-Produkte, etwa in Supermärkten, ermöglichen (55:00).

Auf Social Media sind für LAP im Rahmen des sogenannten “Community Building” v.a. Instagram und TikTok relevant (44:00).

Die LAP-Struktur

LAP hat laut Hage derzeit 30 Menschen in der Zentrale und insgesamt (bei 26 Filialen) 140 Angestellte (46:00). Bevor neue Filialen geöffnet werden, werden möglichst detaillierte Markt- und Umfeldstudien gemacht (ab 36:00). Gut laufende Filialen sollen angeblich bis zu 100.000 Euro pro Jahr an Profit vor Steuern (ebit) erwirtschaften können.

LAP und die Finanzierung

LAP-Boss Hage versucht Optimismus zu verbreiten, allerdings scheint es für LAP alles andere als gut zu laufen. LAP versucht anscheinend wieder recht verzweifelt, Geld von Banken zu kriegen (ca. 1:20:00), Investoren scheinen zurückhaltend zu sein. Bisher habe LAP, so Hage, „einige Millionen“ als Kapital von Investoren erhalten (1:04:00).

LAP als „Subkultur“ und die Kritik

„LAP ist so ein wichtiger Teil der Subkultur heute“, sagt Hage (44:00). Kritik kann er nicht verstehen, denn “we are such a loved brand”. Bescheuerte Eröffnungsevents wie kürzlich in der Bergmannstraße mit einer sogenannten „Charity Aktion“ durch die Werbefirma Dojo (sie arbeiten u.a. für Coca Cola, Wolt und die Berliner Polizei) machen LAP noch lange nicht zu Subkultur. LAP ist profitorientierter Scheiss, fertig. Heute weiss LAP-CEO Hage auch nicht mehr wer hinter der Kritik steckt (51:00), vor eine paar Monaten wusste er das noch sehr genau: Es seien “Menschen aus dem Kaffeesektor”.

LAP für die Kund*innen

„So viele Menschen lieben uns“, meint Hage. Alleine der Besuch einer LAP Filiale würde oft darüber entscheiden, ob Menschen einen guten oder schlechten Tag haben (44:00). Was für ein Blödsinn.

LAP und wie weiter

Bislang setzt LAP ja ausschließlich auf Filialen an „angesagten“ Orten, Orten mit echter Subkultur und Geschichte, etwa in Berlin Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg. Offenkundig – siehe auch die Probleme mit Investoren und Banken – ist diese Strategie von LAP gescheitert. Deswegen ändert LAP jetzt sein Geschäftsmodell fundamental: In Zukunft sollen neue LAP-Filialen vor allem an Orten mit viel Durchgangsverkehr eröffnet werden, etwa Bahnhöfen und Flughäfen (59:00). Die erste Bahnhofsfiliale soll in den kommenden Wochen in München eröffnen.

Das finden wir gut – sollen sie doch in Berlin am BER ihre „Subkultur“ veranstalten.

Eine weitere Idee von Hage sind Kaffee-Automaten zur Selbstbedienung ganz ohne Menschen (1:15:00). So was haben wir schon mal gesehen, klingt jetzt nicht wie die ganz krasse neue disruptive Erfindung, und auch nicht wie Subkultur.

Hage spricht weiter von hunderten Filialen, die es zu eröffnen gelte (32:00, 1:12:00). Wir halten das für leicht durchschaubares Marketinggerede für potentielle Investor*innen.

Die Einsamkeit des Managers

Hage lässt sich lang und breit darüber aus, wie entsetzlich schwierig doch sein Leben manchmal ist, das Leben eines Managers mit vermutlich Millionenbesitz und allerbesten Kontakten (ab 17:00). Für die kämpfenden Untergebenen der Unternehmen, z.B. bei Deliveroo Hero, hat er hingegenkeinerlei Verständnis: Fresse halten und weiter arbeiten. Was wollt ihr denn? Zumindest auf dem Papier gibts doch Mindestlohn…

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